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Digital Natives gegen den Hass im Netz

„Man ist noch kein Extremist weil man sich in einem extremistischen Umfeld befindet - man wird dort aber oft zu einem solchen gemacht.“ Mit diesen Worten brachte Prof. Dr. Thorsten Müller ganz klar auf den Punkt, wie wichtig es ist, Gefahren durch den Extremismus im Netz zu erkennen, richtig mit ihnen umzugehen und sich dagegen einzusetzen. Als eine von deutschlandweit 30 ausgewählten Schulen durfte unser Gymnasium vom 30.9. bis zum 2.10. Veranstaltungsort des Digitalcamps der Digitalakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung werden. Diese ermöglichte den Schülern der Klassenstufe 11 die intensive und praktische Auseinandersetzung mit diesen Themen.  Begleitet von wahren Experten in Sachen YouTube, Instagram, Film und Fernsehen und Co. durften die Schüler nicht nur tief in die digitale Welt zwischen Nützlichkeit und Gefahr eintauchen, sondern im Rahmen fünf verschiedener Workshops auch ihre eigene digitale Botschaft gegen Hass im Netz entwickeln.

Der erste Tag des Digitalcamps begann mit einer kleinen Einführungsveranstaltung mit Prof. Dr. Thorsten Müller, der Vorstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung, sowie einer Eröffnungsrede von Herrn Noak, der den „Digital Natives (…) guten Kompetenzerwerb“ wünschte. Danach ging es für die Stammkurse los zu drei verschiedenen Kursen zur Einführung in die Tücken des Internets. Prof. Dr. Müller zeigte mit den wummernden Bässen des Rechts-, Links- und Islamismusrocks eindrucksvoll auf, wie Extremisten versuchen, das Interesse Jugendlicher für sich zu gewinnen. Bei Thomas Schmelzer konnten die Schüler mithilfe sogenannter „reverse Bildsuchmaschinen“ wie „tineye.com“ Fakenews aufdecken. Auch der dritte Kurs bei dem stets sehr gut gelaunten YouTuber Julez, der unter anderem für Bibisbeautypalace Videokonzepte geschrieben hat, sorgte für Begeisterung, da die Teilnehmer mit gestifteten IPads eigene Videos rund um die Datenschutzthematik drehen durften.

An Tag zwei und drei des Digitalcamps ging es für die Elftklässler dann ans Eingemachte. Für sie begann die eigene praktische Arbeit an einem Projekt gegen den Hass im Netz. Dabei stand ihnen in jedem Workshop ein junger Experte des jeweiligen Gebiets zur Seite. So brachte der Journalist Niklas Tolkamp seiner Truppe „Mobile Journalism“ die Begeisterung für das Filmen von Videos mit einem einfachen Handy oder Ipad näher, wobei vor allem eine eindrucksvolle Schnitttechnik im Vordergrund stand. Das Ergebnis dieses Workshops waren vier emotional ergreifende Videos für mehr Toleranz im Netz. Im Workshop „YouTube - dein Video gegen Extremismus“ erlernten die Schüler  das professionelle Erstellen eines YouTube-Videos und erfuhren von Julez einiges über die gesamte Organisation der Plattform. Weiterhin erstellte die Gruppe des Workshops „ Social Media Kampagne gegen Hass im Netz“ einen kompletten Instagram-Account (@fck.hatee) inklusive eines Feeds und  Insta-Stories gegen Extremismus und Bodyshaming. Dieser hatte innerhalb eines Tages bereits ca. 130 Follower. Auch die Gruppe des Instagram-Workshops erstellte verschiedenste Instagram-Accounts, z.B. um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen oder Vorurteile gegen Ostdeutschland zu beseitigen (@newsaboutclimate, @dieostkinder, @stop.wasting.time.on.phones, @_schnellraushier_). Besonders spannend war auch der Workshop, in dem die Schüler einen eigenen Podcast gegen Extremismus aufnehmen durften, da hier einzig die Stimme, nicht Mimik oder Gestik, als Ausdrucksmöglichkeit diente. Doch so, wie die Teilnehmer aller anderen Workshops auch, meisterten sie diesen herausfordernden Umgang mit den Medien unseres Zeitalters hervorragend, weshalb der Applaus zu den einzelnen Projekten, die am 2.10. von den jeweiligen Schülern in der Aula vorgestellt wurden, anerkennend groß war. Darin spiegelte sich auch deren Begeisterung über das dreitägige Camp wider, das wohl jedem einen mehr als  „guten Kompetenzerwerb“ (Herr Noak) und sehr viel Spaß bereitet hat. Die Freude war auch ganz auf der Seite der Referenten und Organisatoren des Digitalcamps, denn Julez wollte abschließend unbedingt noch den ausgezeichneten Service durch die Lehrer des Gymnasiums hervorheben, die für umfassende Plätzchenversorgung gesorgt hatten. Doch was sich die Schüler nach dem dreitägigen Camp nur fragten: Sollte man Cookies nicht lieber ablehnen?

Alicia Wagner