40 Schüler der neunten und zehnten Klasse des Dr. Sulzberger Gymnasiums Bad Salzungen nahmen am Barcamp „Vorsicht, Demokratie“ teil. Sie diskutierten verschiedene Themen und erlebten Demokratie im Kleinen.

Schweina. Familienprobleme, Druck durch soziale Medien oder Vitaminmangel: Die Schüler, die sich der Session zum Thema Depression angeschlossen haben, haben einige Gründe gefunden, die Menschen unter Umständen depressiv machen können. Festgehalten werden sie auf einem Tablet. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass es momentan Trend ist. Vielleicht auch um Aufmerksamkeit zu bekommen“, wirft ein Schüler ein. „Aber wenn jemand behauptet, depressiv zu sein, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen, dann ist der Mensch schon kaputt“, entgegnet eine Mitschülerin. Gut ein Dutzend Gymnasiasten sitzen um einen Tisch. Verbote im Denken oder Sprechen gibt es hier nicht. Jeder soll die Chance haben, seine Meinung frei äußern, seinen Standpunkt verteidigen zu können.


In einem anderen Raum der Kinder- und Jugendkunstschule Wartburgkreis, die als Gastgeber für das Dr. Sulzberger Gymnasium Bad Salzungen dient, diskutieren Schüler der neunten Klasse über internationale Demokratie und reißen die Situation in Nordkorea an. „Wir sprechen über Themen, die uns interessieren. Und jeder kann sagen, was er denkt“, sagt Vivien Siegel. Lob für das offene Format, das als Barcamp bezeichnet wird, findet auch von Katharina Hilgendorf. „Man kann die eigenen Gedanken preis geben und über die Meinung der anderen nachdenken“, sagt sie.

40 Schüler nahmen zum Barcamp teil, das von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen in der Kinder- und Jugendkunstschule Wartburgkreis in Schweina durchgeführt wurde. Unter dem Demokratie1 2Projekttitel „Vorsicht, Demokratie“ hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, sich zu verschiedenen Themen auszutauschen und ihre Meinungen zu reflektieren. „Die Schüler werden aktiv und sollen die Experten in sich selbst entdecken. Das ist ein anderes Format als der normale Schulunterricht, in dem meist der Lehrer vorne steht und frontal erklärt“, sagte Projektkoordinator Toni Lütgenau, der das Barcamp zusammen mit Henriette Schubert-Zunker durchführte. Während die Schüler also Demokratie im Kleinen erleben, sollen sie gleichzeitig den Wert der Demokratie verstehen lernen. „Der Titel - „Vorsicht, Demokratie“ - deutet darauf hin, dass sie zerbrechlich ist“, erklärte Toni Lütgenau.

Zur Einführung beschäftigten sich die Schüler zunächst mit dem Thema „Kunst und Demokratie“ und gingen unter anderem Fragen nach, wie die Kunst in der Gesellschaft geschützt wird, wo die Grenzen der Kunstfreiheit liegen und welche Verbindung zwischen Kunst und Politik besteht. Dann durften sie eigene Themen einbringen. Neben Depression und internationale Demokratie kamen so unter anderem die Akzeptanz von Homosexualität, Leistungsdruck in der Schule, Mobilität und Vegetarismus auf den Tisch.

In zwei Session-Runden konnten sich die Schüler dann dem Thema anschließen, das sie am meisten interessiert. Während der Session wurden auf Tablets Protokolle geschrieben, die für die Teilnehmer online einsehbar waren. „Sie können verfolgen, worüber die anderen Gruppen gerade diskutieren und sich der Runde anschließen, wenn sie wollen“, sagte Toni Lütgenau. Lehrerin Andrea Arnold, die die Jugendlichen mit Sabine Lange und Karin Puchelt begleitete, zeigte sich begeistert. „An einem außerschulischen Ort wird das Verständnis und der Umgang mit Demokratie geschult. Wir haben zudem die Chance, die Schüler in ihren Rollen und ihre Rhetorik zu beobachten und das im Unterricht aufzugreifen“, sagte sie. Vor einem Publikum, wie etwa der Schulklasse, frei zu reden und seinen eigenen Standpunkt zu vertreten, sei wichtig. Und der Demokratiebegriff sei ohnehin in verschiedenen Fächern Teil des Lehrplans.

Demokratie1 3Zwischen 2017 und 2019 will die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen knapp 50 Veranstaltungen dieser Art im Freistaat durchführen, zum Beispiel in Kooperation mit Schulen, aber auch in Jugendclubs oder Theatern. Den Kontakt zwischen den Projektleitern und dem Gymnasium Bad Salzungen stellte Aline Burghardt, Vorstandsvorsitzende der Kinder- und Jugendkunstschule, her. Nach der erfolgreichen Premiere soll die Kooperation schon zu Beginn des nächsten Jahres fortgesetzt werden. Dann steht ein Barcamp zum Thema „Bauhaus und Demokratie“ auf dem Plan, in dessen Rahmen auch Grafiken und Skulpturen entstehen sollen.

 

Susann Eberlein

 

 

 

Ein Tag gelebter Demokratie
Am Donnerstag, dem 13.09.2018 nahmen die Klassen 9/1 und 10/1 an einem Barcamp in der Kunstschule Schweina teil. Doch was ist eigentlich ein Barcamp?
Ein Barcamp ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden.
Die Schüler konnten sich ihren eigenen Stundenplan erstellen und während den einzelnen Sessions Räume und Themen wechseln. Es wurden aktuelle Themen der Demokratie in einem faszinierenden Projekt veranschaulicht. Dabei argumentierte und diskutierte man über selbst ausgewählte Themenbereiche, wie Homophobie, Leistungsdruck in der Schule, Vegetarismus oder die Legalisierung von Gras. Zeichnerisch wurde das Ganze auf dem Punkt gebracht.
Junge Leute, die Politikwissenschaften studieren, gestalteten im hohen Niveau das Projekt abwechslungsreich durch die Nutzung von Tablets und Anglizismen.
Diese Art von Lernen am anderen Ort gilt in jeder Hinsicht als empfehlenswert, egal ob durch das freie Diskutieren in der Gruppe, die Verknüpfung verschiedener demokratischen Interessen oder der Locker- und Unkompliziertheit.
Daher ein großes Dankeschön an die Kunstschule Schweina, die uns diesen Tag kostenfrei ermöglichte.
Esther Böhm

   
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